Evangelienkommentar Palmsonntag (Mk 11, 1–10)

(rb–28.3.2021) Der Kommentar zum heutigen Evangelium kommt von Ruben Weyringer, Pastoralassistent im Pfarrverband Bramberg, Neukirchen, Wald und Krimml.

Jetzt erst recht?

Drei der beeindruckendsten Menschen, denen ich begegnete, waren: Eine alte Frau, deren Leben von Kindheit an von Schmerzen begleitet war. Wenn sie zu stark wurden, betete sie: „Jesus, nimm mich bei der Hand und führe du mich“. Eine andere Frau, die durch Krankheit und Unfälle fünf Kinder verlor. Schon bettlägerig sagte sie mit einem von innen strahlendem Lächeln: „Mir geht es ja so gut. Wenn man beten kann, ist man immer reich“.

Der Dritte ein Mann, dessen Tochter ermordet wurde. Beim Vaterunser beten hatte er Tränen in den Augen und sprach: „Seitdem meine Tochter ermordet wurde, bete ich jeden Tag für den Mörder, dass er umkehrt und bereut. Es darf nicht zwischen mir und dem Himmel stehen, dass ich nicht verzeihen kann“. Drei Menschen, in denen die Kraft des Glaubens offenbar wurde.

 

 

Die schweren Kreuze ihres Lebens haben sie nicht entwürdigt oder zerstört. Die Taufwürde, das neue Leben in Christus, hat dadurch erst recht gestrahlt.

So auch heute in den Lesungen und dem Evangelium. Der leidende Gottesknecht in Jesaja ruft angesichts von „Schmähungen und Speichel“: „Ich werde nicht in Schande enden“. Als sich Christus Jesus entäußerte und wie ein Sklave wurde, wird er über alle erhöht (Philipper).

Erst in der Passion, nach Verleumdung, Angst, ungerechter Verurteilung, Spott und Schmerz offenbart sich Jesus ganz. Bisher, nach Wundern und machtvollen Taten, hat Jesus die Menschen um sich herum zum Bekenntnis gebracht. Etwa indem er fragte „für wen haltet ihr mich?“ (Mk 8,29). Jetzt aber, da er entblößt und ausgeliefert ist, bekennt er selbst auf die direkte Frage: „Bist du der Messias, der Sohn des Hochgelobten? Ich bin es. Bist du der König der Juden? Du sagst es.“

Seine volle Würde und sein wahres Sein offenbart er erst, als dies am wenigsten zu erwarten ist. Vielleicht gilt das auch für uns als Einzelne und als Kirche? Jetzt, wo wir gesellschaftlich nicht mehr obenauf sind als Kirche, wo Christsein kein Ansehen bringt? Vielleicht ist gerade jetzt die Zeit gekommen, Zeugnis abzulegen? Die drei alten und erprobten Gläubigen versinnbildlichen das für mich. Lasst es uns ihnen gleichtun.

Dieser Text ist im Rupertusblatt (Nr. 12/2021) erschienen. >>> Hier können Sie unsere Wochenzeitung abonnieren.

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