Evangelienkommentar 2. Sonntag nach Weihnachten (Joh 1, 1–5.9–14)

(rb–3.1.2021) Der Kommentar zum heutigen Evangelium kommt von Albert Hötzer, Diakon in der Pfarre Siezenheim.

Niemand hat Gott je gesehen

Abstrakte Malerei ist für viele Menschen unzugänglich. Oft ruft das Abstrakte anders als das Gegenständliche Misstrauen hervor. Unberührt lässt es aber die wenigsten Menschen. Die damit verbundenen Emotionen, vorzugsweise auch die ablehnenden, belegen das unbestreitbar. Wer sich aber unvoreingenommen darauf einlässt, kann viel Wertvolles erfahren: Ganz Wesentliches tritt zutage, wenn auf das Vordergründige bewusst verzichtet wird.

Eine Parallele zum Johannesprolog ist da naheliegend. Konträr zum Lukasevangelium zeigt die Autorenschaft des Johannesprologes keine Einzelheiten der Geburt Jesu und deren Umstände auf. Überzeitliches wird aber für diejenigen erfahrbar, die ihr Innerstes hierfür öffnen und ihr Hören von diesem Inneren her leiten lassen: Worte reichen nicht aus, sie können das Wort, das alles Sein ermöglicht, nicht hinlänglich schildern. Erst in der Begegnung mit dem hinter den Worten Stehenden, eröffnet sich diese alles übersteigende Realität.

 

 

Allen aber, die ihn aufnahmen, gab er Macht, Kinder Gottes zu werden.Joh 1, 12

Das vollkommen Unvorstellbare geschieht in der „Fülle der Zeit“, wenn das Wort Fleisch annimmt. Fassbarer geht es nicht mehr. Das herausstechende und vielleicht auch irritierende Wort „Fleisch“ verdeutlicht, dass alle Bedingungen des Erdendaseins gegeben sind: Freude und Leid, Leben und Tod. „Fleisch“ da klingt die Basis des Blutes schon mit. Und doch stehen Fleisch und Blut nicht nur für das Schwere und Schmerzhafte im Leben, sondern auch für die Freude irdischen Lebens.

Das „Fleisch gewordene Wort“ hat für uns konkrete Auswirkungen: „Allen aber, die ihn aufnahmen, gab er Macht, Kinder Gottes zu werden.“ Macht und „Kind sein“ erscheinen wie unvereinbare Gegensätze. Tatsächlich birgt die Macht, Kind zu sein, keine gewaltgestützte Vollmacht über andere. Die Freiheit jedoch, die einem jeden Kind Gottes zufällt, übersteigt letztlich alle irdische Macht, denn sie hat ihren Ursprung in dem einen und ewigen Wort. Klar ist auch: Diese Kindschaft kann nicht mit einem Abo auf Lebenszeit erworben werden. Die Frage, wer die Seinen, die ihn nicht aufnahmen, sind, wird dabei zur stetigen Anfrage an einen selbst.

Dieser Text ist im Rupertusblatt (Nr. 52/53/2020) erschienen. >>> Hier können Sie unsere Wochenzeitung abonnieren.

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