Evangelienkommentar 6. Sonntag der Osterzeit (Joh 15, 9–17)

(rb–9.5.2021) Der Kommentar zum heutigen Evangelium kommt von Bertram Neuner, Pastoralassistent und Betriebsrat in der Erzdiözese Salzburg.

Wer einmal liebt, dem glaube!

Kennen Sie das? Da hat Ihnen jemand etwas versprochen und dann gibt es eine fadenscheinige Entschuldigung und die Vereinbarung geht den Bach runter. Da fällt mir spontan Mt 5, 37 ein: „Euer Ja, ein Ja. Euer Nein, ein Nein. Alles andere ist vom Bösen.“

Verlässlichkeit, Beständigkeit in der Liebe fordert Gott von uns. Das „Hin und Her“ zermürbt und zerstört gegenseitiges Vertrauen. „Bleibt in meiner Liebe!“ – richtig flehentlich spricht Jesus seine Jüngerinnen und Jünger an. Wer einmal gerettet ist, lebe nach der Art der Freunde Jesu und gehe voll Zuneigung und ohne Misstrauen auf ihre oder seine Mitmenschen zu, die auch zur Liebe berufen sind. Wahrscheinlich hat die johanneische Gemeinde mitbekommen, dass Mitgläubige nicht bei den vereinbarten Regeln der Liebe bleiben, sondern es auch unter den ersten Jüngerinnen und Jüngern „menschelt“. Noch mehr in unserem modernen Leben: die Gemeinschaft trägt die Kosten der Krise, die Einzelnen bereichern sich ungeniert.

Bei euch sei es anders, einer trage des anderen Last!

Durch die Taufe haben wir Christus angezogen, sind ihm gleich geworden. Und sind mit ihm durch den Tod zu neuem Leben gekommen und können nun ohne Angst befreit leben. Heute fordert uns Jesus in seiner Abschiedsrede dazu auf, in dieser Liebe zu bleiben, eben den Mitglaubenden zu vertrauen, dass auch er oder sie in dieser Liebe bleibt. Die Gruppe funktioniert nur, solange die Gemeinschaft nicht ausgenutzt wird. Vielleicht kenne Sie die Geschichte mit dem großen Weinfass, in das jeder Gast einen Liter Wein schütten soll und am Ende ist alles Wasser?

Dass wir Christen uns wirklich füreinander und über die Gemeinschaft der Getauften hinaus einsetzen, daran zu glauben fällt gar nicht leicht. In einer langen sündhaften Geschichte des Christentums haben auch Getaufte nicht nach dem heutigen Flehen Jesu gelebt. Doch können wir es wagen neu zu beginnen? Ich denke, es würde sich auszahlen. Jeden Tag wieder können du und ich neu anfangen: Bleiben wir in der gegenseitigen Liebe, in der wir unseren Gott erfahren!

Dieser Text ist im Rupertusblatt (Nr. 18/2021) erschienen. >>> Hier können Sie unsere Wochenzeitung abonnieren.

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