Bundespräsident dankt Kirchen und Religionen für Corona-Maßnahmen

Staatsoberhaupt würdigt Kirchen und Religionsgesellschaften als "Begegnungsstifter und Friedensstifter"

15.10.2020

SALZBURG (kap/eds) / Bundespräsident Alexander Van der Bellen hat den Kirchen und Religionen in Österreich für ihre Corona-Maßnahmen und ihr Wirken im Blick auf Menschlichkeit, Spiritualität und Solidarität ausdrücklich gedankt. Deren Einsatz für das Gemeinwohl und den Zusammenhalt sei "keine Selbstverständlichkeit", betonte das Staatsoberhaupt bei einer Begegnung mit den religiösen Spitzen am Mittwoch in der Hofburg. Die Phase des Lockdowns habe die Kirchen und Religionen vor enorme Herausforderungen gestellt und Opfer abverlangt. "Doch die Herausforderungen wurden auf Grundlage der guten Kooperation zwischen Staat sowie Kirchen und Religionsgesellschaften gut bewältigt", hielt der Bundespräsident bei der Begegnung, fest, an der u.a. Kardinal Christoph Schönborn und Erzbischof Franz Lackner teilnahmen.

"Danke und Vergelt's Gott"

In seiner Rede strich der Bundespräsident den Wert von Begegnung und Dialog hervor. "Ohne Begegnung hätten sich Religionen bei uns und in der Welt nie verbreitet, gäbe es keine Gemeinschaften von Gläubigen", und ohne Begegnungen gäbe es auch die Demokratie nicht, die vom Zusammensein und Austausch lebe. "Religionen sind Begegnungsstifter, so wie sie auch Friedensstifter sein sollen", so Van der Bellen, der das verantwortungsvolle Wirken der Kirchen und Religionen für Gesellschaft und Gemeinwohl betonte und dabei sagte: "Sie sind essenziell für unser Land. Danke und Vergelt's Gott!"

Der Bundespräsident ging in seiner Rede ausführlicher auf die Corona-Schutzmaßnahmen ein: "Wir wissen, dass solche Maßnahmen nie ganz frei von Nebenwirkungen sind: Wir müssen unsere Freiheit teils dramatisch einschränken." Und aus dem physischen social distancing könne sich schleichend ein menschliches social distancing entwickeln. "Da müssen wir sehr wachsam sein", appellierte Van der Bellen.

Umso wichtiger sei es, "dass es Menschen und Einrichtungen gibt, deren Ziel es ist, am Zusammenhalt zu arbeiten", so der Bundespräsident und in Richtung der Kirchen- und Religionsvertreter fügte er hinzu: "Sie als Kirchen und Religionsgesellschaften gehören elementar zu diesen Zusammenhaltern." Die Sorge um das Wohlergehen des Nächsten sei sozusagen "Teil der DNA religiöser Überzeugung". Dies äußere sich in institutionalisierter Form ebenso wie auf der individuellen Ebene des ehrenamtlichen und persönlichen Engagements.

Und nochmals der abschließende Dank Van der Bellens an die Kirchen und Religionsgesellschaften: "Ihre Menschlichkeit, Ihre Spiritualität und Ihre Solidarität dienen dem nachhaltigen Wohl aller Menschen!"

Schönborn: Kirchen müssen auf Not hinweisen und handeln

Kardinal Schönborn ergriff für die Kirchen und Religionen das Wort und unterstrich eingangs, dass es nicht selbstverständlich sei, dass die Religionen so friedlich zusammenleben wie in Österreich.

In den Mittelpunkt seiner Ausführungen stellte der Wiener Erzbischof die neue Sozialenzyklika "Fratelli tutti" von Papst Franziskus. Dieser spreche genau in die Situation der Covid-Pandemie. Er träume nicht von einem "idealen Staat" wie die Utopisten, sondern von der "sozialen Freundschaft in der einen Welt", führte Schönborn aus. Es sei die Grundüberzeugung der Religionen, "dass alle Menschen von einem Schöpfer stammen, dass wir eine Menschheitsfamilie bilden und eine gemeinsame Verantwortung für die Schöpfung haben, die uns gemeinsam anvertraut hat". In diesem Zusammenhang sei es auch ein höchst bedeutsames Zeichen, dass Papst Franziskus in seiner Enzyklika aus dem "Dokument über die Brüderlichkeit aller Menschen" zitiert, das er 2019 in Abu Dhabi gemeinsam mit dem Großimam der Kairoer Al-Azhar-Universität Ahmad Al-Tayyeb unterzeichnet hatte.

Franziskus unterstreiche das Bewusstsein der Verantwortung für die eine Welt und verweise auf das biblische Gleichnis vom barmherzigen Samariter: "Nur wenn sich die Nächstenliebe öffnet auf jeden Menschen in Not, kann ein Ausweg aus den vielfältigen weltweiten Krisen gefunden werden", fasste Schönborn das Anliegen des Papstes zusammen und weiter wörtlich: "Nicht vorbeigehen an der Not der Flüchtlinge, an neuen Kriegen und sozialen Defiziten. - Das ist der Auftrag der Kirchen und Religionen und wir müssen dafür unser Wort weiterhin erheben und tatkräftig helfen."

An der Begegnung in der Wiener Hofburg nahmen Vertreter aller 16 in Österreich anerkannten Kirchen und Religionsgemeinschaften teil. Sie musste bereit zweimal verschoben werden und fand jetzt unter der Einhaltung von Corona-Schutzmaßnahmen in einem eingeschränkten Rahmen statt. Neben Erzbischof Lackner und Kardinal Schönborn waren u.a. der orthodoxe Metropolit Arsenios (Kardamakis), der Präsident der Islamischen Glaubensgemeinschaft Ümit Vural, für die Israelitische Kultusgemeinde Vizepräsidentin Claudia Prutscher in Vertretung von Oskar Deutsch, der armenisch-apostolische Bischof Tiran Petrosyan, der koptische Bischof Anba Gabriel sowie Oberkirchenrätin Ingrid Bachler in Vertretung des evangelischen Bischofs Michael Chalupka der Einladung des Bundespräsidenten gefolgt.

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