Grundgebete & Gebetstexte

Vorformulierte Gebete wie das Vaterunser, die Psalmen u. a. helfen, das Beten zu lernen. Sie verbinden zur Gemeinschaft, weil sie gemeinsam gesprochen werden können. Sie helfen in Situationen, wo er schwer ist, Worte zu finden.

Grundgebete

Die Jünger bitten Jesus: Lehre uns beten. Und Jesus lehrt sie das Vaterunser.

Vater unser im Himmel,
geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft
und die Herrlichkeit in Ewigkeit.
Amen.

Das Vaterunser ist nicht als (Zauber-)Formel zu verstehen, sondern es ist ein Modell, ein Beispiel. Wer betet, soll sich zunächst vertrauensvoll Gott und seinem guten Willen öffnen. Wer betet, stellt sich in einen weiten Horizont und unter einen offenen Himmel. Die eigene Bedürftigkeit und auch die eigenen negativen Seiten dürfen in diesem Vertrauen vor Gott gebracht werden. Das Beten verändert. Denn bei Gott ist alles möglich.

Im Video können Sie das Vaterunser in einer Version sehen und hören, die für Hörende und Gehörlose gebetet wird.

Ich glaube an Gott,
den Vater, den Allmächtigen,
den Schöpfer des Himmels und der Erde.
Und an Jesus Christus,
seinen eingeborenen Sohn, unseren Herrn,
empfangen durch den Heiligen Geist,
geboren von der Jungfrau Maria,
gelitten unter Pontius Pilatus,
gekreuzigt, gestorben und begraben.
Hinabgestiegen in das Reich des Todes.
Am dritten Tage auferstanden von den Toten,
aufgefahren in den Himmel,
er sitzet zur Rechten Gottes,
des allmächtigen Vaters.
Von dort wird er wiederkommen,
zu richten die Lebenden und die Toten.
Ich glaube an den Heiligen Geist,
die heilige katholische Kirche,
Gemeinschaft der Heiligen,
Vergebung der Sünden,
Auferstehung der Toten
und das ewige Leben.
Amen.

Das Glaubensbekenntnis schließt uns als Christinnen und Christen in der Gemeinschaft der Überzeugungen zusammen. Der Glaube, der in diesem Bekenntnis zum Ausdruck gebracht wird, ist unsere menschliche Antwort auf das Wort Gottes, auf seine Zusage.

Gegrüßet seist du, Maria, voll der Gnade, der Herr ist mit dir. Du bist gebenedeit unter den Frauen, und gebenedeit ist die Frucht deines Leibes, Jesus. Heilige Maria, Mutter Gottes, bitte für uns Sünder jetzt und in der Stunde unseres Todes. Amen.

Das Gegrüßet-seist-du-Maria führt uns zum Geheimnis der Menschwerdung hin. Es setzt sich zusammen aus dem Gruß des Engels an Maria bei der Verkündigung (Lk 1, 28) und dem Gruß der Elisabeth an Maria (Lk 1, 42).

Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist. Wie im Anfang, so auch jetzt und allezeit und in Ewigkeit. Amen.

Diese Formel schließt jeden Psalm ab.

Psalmen

In der Bibel findet sich ein Buch mit 150 Gebeten, eine Gebetsschule: die Psalmen. Sie werden auch heute noch in der Kirche gebetet („Stundengebet“). Alle menschlichen Regungen und Befindlichkeiten lassen sich dort wiederfinden.

Der bekannteste Psalm ist der 23.:

Der HERR ist mein Hirt, nichts wird mir fehlen.
Er lässt mich lagern auf grünen Auen und führt mich zum Ruheplatz am Wasser.
Meine Lebenskraft bringt er zurück. Er führt mich auf Pfaden der Gerechtigkeit, getreu seinem Namen.
Auch wenn ich gehe im finsteren Tal, ich fürchte kein Unheil; denn du bist bei mir, dein Stock und dein Stab, sie trösten mich.
Du deckst mir den Tisch vor den Augen meiner Feinde. Du hast mein Haupt mit Öl gesalbt, übervoll ist mein Becher.
Ja, Güte und Huld werden mir folgen mein Leben lang und heimkehren werde ich ins Haus des HERRN für lange Zeiten.

Rosenkranz

Der Rosenkranz ist die am weitesten verbreitete katholische Gebets- und Andachtsform. Für die Laien im Volk Gottes ist es die traditionell selbstbestimmteste Gebetsform. Und dennoch sehr komplex. Auch viele andere Religionen kennen „Gebetsschnüre“ (Islam, Buddhismus). Insofern verbindet uns der Rosenkranz auch mit Beterinnen und Betern anderer Religionen.

Das Beten des Rosenkranzes mag vielen, auch praktizierenden, Katholiken, wie ein Relikt aus der Vergangenheit erscheinen. Nicht nur, aber gerade auch zu Zeiten, in denen wir an Scheidewegen stehen, wir besonders belastet sind, kann diese Gebetsform ein hilfreicher Wegweiser, ein Tröster in der Not sein. Vielen Menschen tut es gut, sich mit ihm in die christliche Spiritualität zu vertiefen, sich einzulassen auf eine andere Welt. In gewisser Weise ist der Rosenkranz eine Pilgerfahrt der Seele, ohne auf physischen Pilgerpfaden zu wandern. Und gerade darum ist er noch immer zeitgemäß. Besonders im Rosenkranzmonat Oktober kommt ihm ein besonderer Stellenwert zu.

Die heutige Form entwickelte sich im Lauf der Zeit aus frühmittelalterlichen Gebeten. Als Zählhilfe während des meditativen Betens dient der Rosenkranz. Das Wort Rosenkranz stammt vom lateinischen Wort „Rosarium“ (dt. Rosengarten). Rosengewächse stehen in der christlichen Ikonographie vor allem für Maria. Somit ist das Rosenkranzgebet vor allem ein marianisches Gebet.

Der Begriff „Rosarium“ wurde auf die Gebetskette übertragen und ist als „Rosenkranz“ seit dem 15. Jahrhundert bekannt. Der genaue Zusammenhang ist bis heute unklar. Möglicherweise bestand die Kette ursprünglich aus Rosenblüten, die auf eine Schnur aufgezogen waren. Die älteste schriftliche Erwähnung einer Schnur mit Steinen als Zählkette für Gebetswiederholungen in der lateinischen Kirche schreibt diese Gebetsschnur der angelsächsischen Adligen Lady Godiva († um 1085) zu. 

Wie betet man den Rosenkranz?

Der Rosenkranz setzt sich aus den Grundgebeten zusammen: Vaterunser, Gegrüßet seist du, Maria, Ehre sei dem Vater und Glaubensbekenntnis. Die Grundgebete ermöglichen einerseits das gemeinsame Gebet und sind andererseits quasi Lernmodelle für das persönliche Beten.

Das Vaterunser ist das Gebet, das Jesus selbst seinen Schülerinnen und Schülern beigebracht hat: „So sollt ihr beten …“ heißt es bei Matthäus 6, 9 ff.

Das Gegrüßet-seist-du-Maria führt uns zum Geheimnis der Menschwerdung hin. Es setzt sich zusammen aus dem Gruß des Engels an Maria bei der Verkündigung (Lk 1, 28) und dem Gruß der Elisabeth an Maria (Lk 1, 42). Die Mitte und das Zentrum des Gegrüßet-seist-du-Maria bildet der Name „Jesus“: „Und in keinem andern ist das Heil, auch ist kein andrer Name unter dem Himmel den Menschen gegeben, durch den wir sollen selig werden.“ (Apg 4, 12) Im zweiten Teil geht es darum, so zu glauben wie Maria, damit Jesus auch Mensch wird in meinem Leben und in meinem Sterben.

Das Ehre-sei-dem-Vater macht uns bewusst: Gott ist in sich dreifaltige Gemeinschaft und ist deshalb Quelle der Liebe, der Freiheit und des Lebens.

Das Glaubensbekenntnis schließt uns als Christinnen und Christen in der Gemeinschaft der Überzeugungen zusammen. Der Glaube, der in diesem Bekenntnis zum Ausdruck gebracht wird, ist unsere menschliche Antwort auf das Wort Gottes, auf seine Zusage.

Ein Tipp für Einsteiger und Einsteigerinnen:

Nehmen Sie den Rosenkranz doch einfach in die Hand und überlegen Sie, ob Ihnen zu jeder Perle auf der Schnur der Name, das Gesicht einer Person einfällt, die Ihnen am Herzen liegt – heute oder in Ihrer Lebensgeschichte. Oder Sie versuchen für jede Perle eine Situation aus Ihrem Leben zu finden, für die Sie dankbar sind. Sie können selbst weitere Varianten erfinden … Viel Freude und Segen dazu!

Weiters bitten wir am Beginn um die drei großen Gaben des Heiligen Geistes: Glaube, Hoffnung, Liebe. „Für jetzt bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei; doch am größten unter ihnen ist die Liebe.“ (1 Kor 13, 13)

Das Wiederholungsgebet (die „Gesätzchen“) bildet dann gleichsam den Hintergrund, die Basis dafür, während des automatisierten Sprechens verschiedene Stationen des Lebens Jesu („Geheimnisse“) zu „betrachten“. Das bedeutet mehr, als darüber zu sinnieren. Ich schaue auf etwas und lasse mich davon prägen, formen, „bilden“. Mein Leben tritt in Beziehung zum Leben Jesu.

Der Rosenkranz auf einen Blick

Beim Kreuz: Das Glaubensbekenntnis
1. Perle: Vaterunser
3 Perlen: Gegrüßet seist du Maria

Einschübe nach dem Namen Jesus:

der uns den Glauben vermehre
der uns die Hoffnung stärke
der uns die Liebe entzünde

1 Perle: Ehre sei dem Vater

Es folgen 5 Gesätzchen mit jeweils:

1 Perle: Vaterunser
10 Perlen: Gegrüßet seist du Maria
Einschub nach dem Namen Jesus: jeweils ein „Geheimnis“ pro Gesätzchen
1 Perle: Ehre sei dem Vater – Vaterunser (mit dem das neue Gesätzchen beginnt)

Der Rosenkranz endet bei der letzten Perle mit dem Ehre-sei-dem-Vater.

Die Geheimnisse

Im Grunde kann dabei jede Begebenheit, jedes Wort und jede Tat Jesu in Betrachtung genommen werden. Klassisch vorformuliert gibt es die Geheimnisse des „freudenreichen“ (Geburt Jesu), des „schmerzhaften“ (Leiden und Tod Jesu) und des „glorreichen“ (Auferstehung und Himmelfahrt) Rosenkranzes. Papst Johannes Paul II. hat dies noch um den „lichtreichen“ Rosenkranz erweitert.

Jesus, den du, o Jungfrau, vom Heiligen Geist empfangen hast. (Lk 1, 35)

Jesus, den du, o Jungfrau, zu Elisabeth getragen hast. (Lk 1, 39–56)

Jesus, den du, o Jungfrau, in Betlehem geboren hast. (Lk 2, 1–20)

Jesus, den du, o Jungfrau, im Tempel aufgeopfert hast. (Lk 2, 22–24)

Jesus, den du, o Jungfrau, im Tempel wiedergefunden hast. (Lk 2, 41–52)

Jesus, der von Johannes getauft worden ist. (Lk 3, 21–22)

Jesus, der sich bei der Hochzeit in Kana offenbart hat. (Joh 2, 1–12)

Jesus, der uns das Reich Gottes verkündet hat. (Mk 1, 14)

Jesus, der auf dem Berg verklärt worden ist. (Lk 9, 28–36)

Jesus, der uns die Eucharistie geschenkt hat. (Mk 14, 17–25)

Jesus, der für uns Blut geschwitzt hat. (Lk 22, 44)

Jesus, der für uns gegeißelt worden ist. (Joh 19, 1)

Jesus, der für uns mit Dornen gekrönt worden ist. (Joh 19, 2)

Jesus, der für uns das schwere Kreuz getragen hat. (Joh 19, 17)

Jesus, der für uns gekreuzigt worden ist. (Joh 19, 18)

Jesus, der von den Toten auferstanden ist. (Lk 24, 6)

Jesus, der in den Himmel aufgefahren ist. (Apg 1, 9–11)

Jesus, der uns den Heiligen Geist gesandt hat. (Apg 2, 1–13)

Jesus, der dich, o Jungfrau, in den Himmel aufgenommen hat. (1 Kor 15, 22–23)

Jesus, der dich, o Jungfrau, im Himmel gekrönt hat. (Offb 12, 1)

Stundengebet

Im ersten Brief an die Thessalonicher schreibt der Apostel Paulus:

Betet ohne Unterlass!1 Thess 5, 17

Um dieses Ideal des ritualisierten, wiederholenden Gebets zu erreichen, gibt es in Klöstern bis zu sieben Gebetszeiten, die über den Tag verteilt sind. Dort werden vor allem die Psalmen gebetet.

Beim Rosenkranzgebet werden betrachtendes Gebet und wiederholendes Gebet miteinander verbunden. Das Gegrüßet-seist-du-Maria wird immer wieder wiederholt, während die Gedanken dem Leben Jesu (den „Geheimnissen“) nachgehen.

Eine andere Form ist das „Wiederholungsgebet“. Beim Wiederholungsgebet wird ein Gebetssatz im Rhythmus des Atmens laut oder still wiederholt. Dieser Vorgang wird so lang eingeübt, bis das Gebet ganz automatisch weitergeht, ohne dass der Beter immer bewusst daran denkt. Durch die Verbindung mit dem Atem begleitet das Gebet im Hintergrund den ganzen Alltag, das ganze Leben.

Eine besondere Form des Wiederholungsgebets ist das Jesusgebet. Dabei wird der Name „Jesus Christus“ wiederholt, verbunden mit einer kurzen Gebetsanrufung. Über den Namen Jesu schreibt der Apostel Paulus im Philipperbrief:

Seid untereinander so gesinnt, wie es dem Leben in Christus Jesus entspricht: Er war Gott gleich, hielt aber nicht daran fest, Gott gleich zu sein, sondern er entäußerte sich und wurde wie ein Sklave und den Menschen gleich. Sein Leben war das eines Menschen; er erniedrigte sich und war gehorsam bis zum Tod, bis zum Tod am Kreuz. Darum hat ihn Gott über alle erhöht und ihm den Namen verliehen, der größer ist als alle Namen, damit alle im Himmel, auf der Erde und unter der Erde ihr Knie beugen vor dem Namen Jesu und jeder Mund bekennt: Jesus Christus ist der Herr zur Ehre Gottes, des Vaters.Phil 2, 5–11

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