Schulstart im Borromäum mit Mädchen

Traditionsschule der Erzdiözese Salzburg setzt auf gemeinsames Unterrichten

SALZBURG (eds-11. 9. 2020) Die Freude auf den ersten normalen Schultag nach dem Coronasemester und den Ferien ist riesig. „Der Sommer war schön, aber jetzt kann es wieder losgehen“, sagt Jasmin Mösl, für die kommenden Montag ein Schulwechsel ansteht, mit dem sie Geschichte schreibt. Die zehnjährige Seekirchnerin sowie die Zwillinge Florentina und Mathilda  Schreilechner aus der Stadt Salzburg sind drei von 30 Schülerinnen, die mit dem Borromäum die letzte Bubenschule Österreichs „erobern“.  „Und das ist gut so. Ein echter Ruck geht durchs Haus. Wir reißen damit unsere Fenster auf und lassen frischen Wind herein“, unterstreicht  Direktor Winfried Penninger  und ergänzt:  „Alle Verantwortlichen – allen voran die Erzdiözese als Schulerhalterin – gehen ihn voller Überzeugung mit. Das ist mir sehr wichtig.“

 Die Mädchen sind eine Bereicherung

Das Borromäum ist beliebt, das zeigen schon die Zahlen. 440 Schüler, darunter 110 Erstklässler, drücken ab  Montag im erzbischöflichen Privatgymnasium  die Schulbank. Die Entscheidung  zur Aufhebung der Geschlechtertrennung ist also nicht gefallen, weil die Schüler ausbleiben. „Wir haben einen Höchststand und sogar vier erste Klassen“, berichtet Penninger.

Die jetzige Öffnung für Mädchen bezeichnet  der Direktor als Bereicherung und richtigen Schritt.  „Wir müssen Kinder auf die Gesellschaft vorbereiten. Für mich ist eine gemischte Schule zeitgemäß.“  In dieselbe Kerbe schlägt Christa Fuchsberger. Sie ist Referentin für Katholische Privatschulen in der Erzdiözese und sagt zum gemeinsamen Erziehen von Mädchen und Burschen: „Wo wenn nicht in der Schule sollen sie lernen, gut miteinander umzugehen?“ Die christliche Identität der Schule sehen die beiden nicht in Gefahr. „Die jungen Leute verbringen bei uns acht Jahre im christlichen Geist. Das Borromäum bleibt ein guter Boden für Berufungen aller Art.“

Schulstart in Zeiten von Corona

Die Katholischen Privatschulen bieten in der  Erzdiözese 30 Ausbildungswege an. 500 Pädagoginnen und Pädagogen unterrichten an 16 Standorten rund 5.200 Schülerinnen und Schüler. Aufgrund der Coronapandemie wird es wohl ein spezielles Jahr werden. Im Borromäum überwiegt der Optimismus wie Penninger bestätigt. „Die Schule lebt von persönlichen Beziehungen, die können die besten Lernplattformen nicht ersetzen. Deshalb gehen wir voller Optimismus in den Normalbetrieb – natürlich unter Einhaltung aller Hygieneregeln.“

Borromäum –  vom kleinen Seminar zum Bildungszentrum

Das Borromäum kann am heutigen Standort auf eine mehr als 100-jährige Geschichte zurückblicken. Die Anfänge gehen auf den Salzburger Erzbischof Friedrich Fürst zu Schwarzenberg zurück, der 1836 Buben aus den Gebirgsgauen in der Stadt Salzburg privat unterbringen und verpflegen lässt. Bereits 1840 besteht eine Wohngemeinschaft im Berchtesgadener Hof (Posthof) im Kaiviertel, 1843 erhält das „Archiepiscopale Collegium puerorum“ (Erzbischöfliches Knabenseminar) die staatliche Anerkennung als „autorisiertes Privatconvict“. Die nun etwa 40 Personen umfassende Gemeinschaft übersiedelt 1847 in den Graf-Lodron-Laterno- Primogenitur-Palast (das heutige Mozarteum) in der Dreifaltigkeitsgasse. Die hauseigene Kirche wird dem hl. Karl Borromäus geweiht. 1884 erhält die Bildungseinrichtung das Öffentlichkeitsrecht auf unbestimmte Zeit.

Auf den Arenberggründen (Stadtteil Parsch) entsteht 1910 das neue diözesane Knabenseminar und Privatgymnasium Borromäum. Es ist vier Mal so groß wie das alte in der Innenstadt. Die Institutskirche beherbergt noch heute das Altarbild der alten Institutskirche, die abgerissen wurde. Das neue Haus wird 1912 eingeweiht.

Schließung in der NS-Zeit

Im Nationalsozialismus kam es zunächst zu sukzessiven räumlichen, personellen und finanziellen Beschneidungen, schließlich zur Enteignung. Das Gymnasium übersiedelte nach Bischofshofen (Pongau) ins dort bestehende Privatgymnasium St. Rupert. 1939 wird es geschlossen und in die „NS-Erziehungsanstalt Kreuzberg“ umgewandelt.

Nach Ende des Kriegs eröffnete das Borromäum im von Bomben verschonten, geplünderten und zuvor noch von Besatzungstruppen genützten Gebäude in Parsch seinen Schul- und Unterrichtsbetrieb im Oktober 1946.

Es kommt zu zahlreichen Sanierungsmaßnahmen und Neubauten: Fest- und Theatersaal (1953/54), Turnhalle und Neubauklassen (1967/77), Sportanlage (1999/2000), Osttrakt (2006).

Zahlreiche, bisher über die ganze Stadt Salzburg verstreute Institute und Referate der Erzdiözese wurden 2002 zusammengezogen. Dazu wurde der Westtrakt des nahezu 100 Jahre alten Gebäudes saniert, modernisiert und adaptiert: Das Bildungszentrum Borromäum vereint die Kirchliche Pädagogische Hochschule – Edith Stein, das Erzbischöfliche Privatgymnasium Borromäum, Teile des Seelsorgeamts, die AV-Medienstelle, das Amt für Schule und Bildung sowie das Referat für Berufungspastoral unter einem Dach.

Rückfragen und Informationen:

Eb. Privatgymnasium Borromäum, Direktor Winfried Penninger,  0662/8047-6800, 0676/87 46 6805, sekretariat@borromaeum.at

Foto1: Direktor Winfried Penninger und Referentin Christa Fuchsberger mit den Florentina, Jasmin und Mathilda.

Foto2: Freuen sich auf ihre neue Schule: Florentina, Jasmin und Mathilda.

Foto3: Probesitzen im Klassenzimer mit Florentina, Jasmin und Mathilda.

Fotos: Erzdiözese Salzburg