Neuevangelisierung

Kultur und Gesellschaft wurden über Jahrhunderte intensiv vom christlichen Glauben geprägt. Heute stellt sich die Frage nach der Weitergabe des Glaubens ganz neu als Herausforderung.

Seit der Apostel Paulus europäischen Boden betrat (Apg 16, 6 ff.), wurde Europa zu jenem Kontinent, der am längsten durch das Evangelium geprägt wurde. In Salzburg lassen sich die Spuren einer ersten Evangelisierung bis zum heiligen Severin verfolgen, der im 5. Jahrhundert im Salzburger Gebiet mindestens zwei Christengemeinden vorfand.

 

 

Evangelium & Evanglisierung

Das Wort „Evangelium“ bedeutet so viel wie „gute Nachrichten“. Bezeichnet wird damit die Information über Jesus, über seine Worte und Taten, vor allem aber über seinen Tod am Kreuz und seine Auferstehung von den Toten. Da diese Geschehnisse Menschheitsbedeutung haben, sollen sie allen übermittelt, „verkündet“ werden. Das geschieht einerseits persönlich, aber auch schriftlich. In der Bibel finden sich vier Berichte über Jesus aus unterschiedlichen Perspektiven: die vier Evangelien. Nach christlichem Verständnis geht es dabei um viel mehr als um eine bloße Information. In der Übermittlung des Evangeliums richtet sich Gott selbst an den Menschen, der das Evangelium hört, um seine Freundschaft anzubieten. Das Evangelium ist eine lebensverändernde Botschaft. Wer sie annimmt und glaubt, tritt in eine neue Lebenswirklichkeit ein. Er oder sie wird „evangelisiert“.

Seit sich der römische Kaiser Konstantin 312 dem Christentum zuwandte und das Christentum zur Staatsreligion des Römischen Reichs wurde, nahm das Christentum gesellschaftlich eine führende Rolle ein.

Bis in die Zeit der Aufklärung im 18. Jahrhundert blieben die allgemeine Gesellschaftsordnung und die Religion eng miteinander verknüpft. Das galt auf besondere Weise in Salzburg, das 732 zur eigenständigen Diözese wurde und bis zur Säkularisierung im Jahr 1803 vom Erzbischof auch politisch regiert wurde.

Christliche Traditionen & Prägungen

Bis zum Ende der 1960er-Jahre kann man in weiten Teilen Österreichs gesellschaftlich von einem geschlossenen katholisch geprägten Milieu sprechen. Wenn ein Kind zur Welt kommt, wird es getauft. Es erlebt den von katholischen Feiertagen geprägten Lauf des Jahres und die damit verbundenen Erzählungen. Es besucht in der Schule in den Religionsunterricht. Die Weitergabe des Glaubens erfolgt sozusagen automatisch, fast „biologisch“.

Auch heute stehen an vielen Orten Kirchen, religiöse Wegzeichen, hängen Kreuze, Marienbilder. Sie kommen ins Bewusstsein, wenn sie zu renovieren sind oder wenn sie jemand abschaffen will. Ähnlich ist es mit den Feiertagen, mit dem Sonntag. Oder mit den „Soft Skills“ der Hilfsbereitschaft auch Unbekannten gegenüber, mit dem Willen zu Vergebung und Versöhnung, mit der Bereitschaft, Menschen anzunehmen. Das sind Verhaltensweisen, die auch katholischen Schulen und Krankenhäusern immer noch einen besonderen Ruf verleihen. In Klöstern, an Wallfahrtsorten, auf Pilgerwanderungen wird persönliche Stärkung und Orientierung gesucht. Das und mehr zeugt von der Prägung unserer Gesellschaft durch den christlichen Glauben, ohne dass dies besonders bewusst wäre. 

Ansprechperson: Simon Lipp

Bürgerspitalgasse 2, 5020 Salzburg

Die Aufgabe des Neuevangelisierens

Mit den zunehmenden persönlichen Freiheiten und Möglichkeiten, mit der Pluralisierung einer global vernetzten Informationsgesellschaft, ist diese geschlossene Milieuwelt zu Ende gegangen.

Damit stellt sich die Aufgabe, den christlichen Glauben auf neue Weise zur Sprache zu bringen und ihn anderen Menschen mitzuteilen. Weder das hauptamtliche Personal der Kirche noch die Gläubigen sind darauf vorbereitet – weil es lange Zeit schlicht nicht notwendig war. Ein gesellschaftliches Umfeld, das in vielerlei Hinsicht über Jahrhunderte christlich geprägt wurde, bedarf heute einer „Neuevangelisierung“, einer neuen persönlichen Begegnung mit dem Freundschaftsangebot Gottes.

Seid stets bereit, jedem Rede und Antwort zu stehen, der von euch Rechenschaft fordert über die Hoffnung, die euch erfüllt.1 Petr 3, 15

Alle Christinnen und Christen sind dazu aufgerufen, von ihrem Glauben bewusst Zeugnis zu geben und über ihren Glauben mit anderen sprechen zu lernen. Evangelisierung ist dabei niemals als Einbahnstraße zu verstehen. Denn ebenso wie Jesus Christus durch mich meinem Gesprächspartner begegnen will, so begegnet Jesus Christus gleichzeitig auch mir in meinem Gesprächspartner.

Evangelisierung ist in diesem Sinn immer zugleich Selbstevangelisierung. Die eigene Gottesbeziehung wächst und vertieft sich in der Begegnung und im Gespräch mit anderen Menschen. Evangelisierung ist immer ein Dialog. Und weil Evangelisierung Begegnung mit der Lebenssituation anderer Menschen bedeutet, kann es keine glaubwürdige Evangelisierung ohne sozialen Einsatz geben.

Die Sendung der Kirche geht auf das Heil der Menschen, das im Glauben an Christus und in seiner Gnade erlangt wird. Das Apostolat der Kirche und aller seiner Glieder ist darum vor allem darauf ausgerichtet, die Botschaft Christi der Welt durch Wort und Tat bekannt zu machen.Aus dem Dekret über das Laienapostolat Nr. 6

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