Trauer: Buchtipps für Kinder

Auf der Suche nach guten Büchern für Kinder zum Thema Tod und Trauer? Hier findest du eine Sammlung unserer-Bücher-Expertin.

Christina Repolust ist Germanistin und Publizistin. Sie leitet das Referat für Bibliotheken und Leseförderung sowie pfarrliche Öffentlichkeitsarbeit in der Erzdiözese Salzburg. 

 

 

Die Sprache der Statistik spricht von Übersterblichkeit, von Todesraten, sie macht ihren Job gut und eindringlich. Die Hinterbliebenen jeder und jedes einzelnen Verstorbenen finden derzeit nicht die Trauerrituale, die sie bräuchten. Wir suchen nach Trost, zuerst einmal für uns, dann aber gleich auch für die Kinder und das ist dann ja auch wieder Trost für uns. Aus diesem Grund empfehle ich Euch die folgenden Bücher.Christina Repolust, Referat für Bibliotheken und Leseförderung

Antje Damm Füchslein in der Kiste

An einem Sommerabend hat Fuchs seine Kiste an die richtige Stelle geschleppt, sehr sehr müde ist es und das ist eine ganz besondere Müdigkeit. Doch davon wissen die neugierigen Kaninchen nichts, die die Kiste erforschen: Lauter Dosen mit Tomatensuppe hat Fuchs hier gehortet, seine Zähne taugen nicht mehr für das Fleisch von Kaninchen. Es entsteht Freundschaft, das müde Fuchs bringt den Kaninchen noch einige Überlebensstrategien bei, so mancher Schabernack ist auch noch drin, bevor ihn die Müdigkeit  übermannt. 

Die Freunde verabschieden sich von voneinander: „Denkt an mich, dann bin ich nicht allein.“ Das machen die Kaninchen, wenn ihnen Fuchs ganz besonders fehlt, dann essen sie Tomatensuppe - das hilft immer. Antje Damms Text- und Bildqualität zeigt hier wie auf einer Bühne, einem Sprechtheater großes Theater: Das Sterben des alten Fuchses, aber eigentlich doch des alten Füchsleins, der 28 Fuchskinder hatte und eine wunderschöne Fuchsfrau. Wer ganz genau liest und das in Ruhe, versteht die Verbindung des Titels „Füchslein in der Kiste“ mit einem Lied der Kaninchen.

Antje Damm: Füchslein in der Kiste. Moritz Verlag 2020. Ab 5 Jahren, 32 Seiten. ISBN 9783895653995

Emile Jadoul Bär singt

Sobald der Mond über dem Wald aufgeht, beginnt Bär zu singen. Er singt für seine Freund, besonders für die, die schlecht einschlafen können. Viele Lieder hat ihm seine Freundin Amsel beigebracht, die jetzt alt ist und die meiste Zeit im Bett liegt: „Jetzt ist Bär ihre Stimme.“ Als Amsel stirbt, singen Hase und Henne und deren Küken unter dem Mond und den Sternen für sie. Bär weiß: Amsel und ihre Melodien wird für immer in seinem Herzen bleiben. Für immer! Der Text ist prägnant, die Figuren klar konturiert, aussagestark in ihrer Mimik: Diese Reduktion auf das Wesentlich, das Singen, die Gemeinschaft, das Sterben und Trauern macht dieses Bilderbuch zu einem unaufdringlichen Begleiter, der einen tröstet. Da ist kein Pathos, da ist kein falscher Trost zwischen den Zeilen: Da ist Liebe pur und die brauchen wir genau in dieser Dosis.

Emile Jadoul: Bär singt. Aus dem Französischen von Alexander Potyka. Wien: Picus Verlag 2021. 32 Seiten, ISBN: 978-3-7117-4020-5

Wolf Erlbruch Ente, Tod und Tulpe

Erwachsene suchen nach Metaphern für den Tod. Kinder sehen es direkter und wünschen sich häufig klarere Aussagen. Dieses Bilderbuch von Wolf Erlbruch ist bereits ein Klassiker, wenn es um die Themen Leben und Sterben geht. Da ist Ente, sie hat so ein Gefühl: „Wer bist du – und was schleichst du hinter mir her?“ Die sehr reduzierte Illustration zeigt Ente, wie sie sich umdreht und auf der rechten Seite den Tod erblickt: „Schön, dass du mich endlich bemerkst, ich bin der Tod.“ Ente und Tod unterhalten sich, Tod sei immer in ihrer Nähe, für den Fall. Welchen Fall? „Na, falls dir etwas zustößt. Ein schlimmer Schnupfen, ein Unfall – man weiß nie.“ Der Tod ist also immer schon, als Begleiter, er weiß, dass es das Leben ist, das für Unfälle, Schnupfen und Begegnungen mit dem Fuchs sorgt. Einfache Antworten auf große Fragen zu geben, ist Poesie, ist Menschenliebe, ist Kunst. Ein Bilderbuch für große und kleine Menschen, man will es immer wieder ansehen, immer weiter über den Tod reden und mehr kann ein Buch wirklich nicht leisten.

Wolf Erlbruch: Ente, Tod und Tulpe. Kunstmann Verlag 2007. 32 Seiten. ISBN: 978-3-88897-461-8

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