"Verstehen ohne Anstrengung" widerspricht dem Glauben

Predigt vom 24. Jänner 2021, Dom zu Salzburg

25.01.2021

Liebe Schwestern und Brüder!

Papst Franziskus hat den dritten Sonntag im Jahreskreis dem Wort Gottes gewidmet. Damit will der Hl. Vater uns erneut auf das wohl kostbarste Geschenk der Offenbarung hinweisen. Unser Ohr, mehr noch das innere Ohr, vermag nicht mehr die Bedeutungsfülle dessen, was Gottes Wort uns sagen möchte, zu vernehmen. Peter Handke, ein Meister, der tief in das Wesen der Sprache eingedrungen ist, kann uns wieder auf die Spur bringen. Ich darf zitieren: 

„Erzählen ist das Entscheidende. Wenn  ich an der heiligen Messe teilnehme, ist das für mich ein Reinigungsmoment sondergleichen. (…) Wenn ich die Worte der Heiligen Schrift höre, die Lesung, die Apostelbriefe, die Evangelien, … dann denke ich, dass ich an den Gottesdienst glaube. Ich weiß nicht, ob ich an Gott glaube, aber an den Gottesdienst glaube ich.“

Es war der Glaube, der mich zum Nachdenken brachte, z. B.: Woher kommt das Wort Gott, wenn diesem Wort nichts, absolut nichts, entspricht? Können Worte von solcher Tragweite nur einer momenthaften Laune entspringen? Ich glaube nicht. Dafür ist dieses Wort zu genial. Unsere Zeit ist von einem vordergründigen Absolutismus geprägt. Wir wollen verstehen, aber schnell und ohne Anstrengung muss es gehen. Unbekanntes ehe baldigst und endgültig abhaken! Es darf nichts offen bleiben.

Über Maria, der Mutter Jesu, hören wir indessen Worte wie, „sie überlegte, was der Gruß bedeuten solle“ oder „sie bewahrte alles, was geschehen war und dachte darüber nach“; und als der zwölfjährige Jesus ohne Eltern in Jerusalem einfach zurückblieb heißt es: „sie verstanden ihn nicht“, Maria hingegen: „sie bewahrte alles in ihrem Herzen.“ Dazu fügt sich nahtlos die Erzählung vom Vater, der für seinen stummen Sohn Jesus um Heilung bittet. Jesus sagt: „Alles kann, wer glaubt.“ Der Vater darauf: „Ich glaube, hilf meinem Unglauben!“  

Wir vergessen: Endgültig heißt, das Ende steht immer noch aus. Auf dem irdischen Pilgerweg ist Verstehen immer mit Nichtverstehen verbunden. Die Sache Gottes ist anders nicht zu haben. 

In Salzburg beginnt mit dem heutigen Tag die Mozartwoche. Mozarts Musik bringt den Kosmos zum Klingen, ein musikalisches Wort verdient aufmerksame Hörerinnen und Hörer. Olivier Messiaen sagt von der Musik, sie trage zu Gott aus Mangel an Wahrheit. Das gilt in besonderer Weise auch für das Wort Gottes. Es trägt zu Gott. Unserem Tun, Denken und Glauben haftet immer ein Mangel an oder um es positiv zu sagen: Es bleibt etwas offen auf endgültige Erfüllung – offen für die Überraschung Gottes. Denn: Er ist es, der sagen kann: „Die Zeit ist erfüllt, das Reich Gottes ist nahe.“ Wir sind gerufen zu hören, Bedeutung zu überlegen; alles in unseren Herzen nachdenkend zu erwägen. Weil wir nicht alles nach unserer Fasson allein zu verstehen vermögen, so können wir dennoch sagen: „Herr ich glaube, hilf meinem Unglauben!“ Und wir können Amen sagen. Amen sagen zu Gottes Wort!

Amen!

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